ROAD

Bilder mit Geschichten
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"FAMILIE SCHWEIN TRÄUMT"

Illustration und Text 
Gabriele Prill

Es ist Frühstückszeit! Vater Schwein liest noch schnell die Zeitung bevor er ins Büro fährt.
Tochter Rosa trinkt nur Tee, denn sie will ein schlankes Schwein bleiben. So isst sie stets sehr wenig, zum Ärger von Mutter Schwein, die Abmagerungskuren für völlig ungesund hält. 

Man kann es Mutter Schwein direkt ansehen. Klein-Willy zappelt ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her, er will schnellstens zu seinen Freunden in den Schweinegarten. Mutter schmiert für alle Butterbrote. Sie hat soviel zu tun, dass sie sich nicht einmal an den Tisch setzen kann, um in Ruhe ihren Kaffee zu trinken. Das holt sie nach, wenn alle aus dem Haus sind. 

Vater Schwein hat die Zeitung weggelegt. Rosa und Klein-Willy haben schon darauf gewartet. Heute fährt Vater Klein-Willy zum Schweinegarten und anschließend Rosa zur Schule. Mutter gibt jedem ein Paket Butterbrote und einen roten Apfel mit. Vater sucht noch seine Brille, jedoch Mutter hat sie schon in der Hand. Nun sind alle fertig und verabschieden sich mit einem Küsschen von Mutter Schwein.

„Endlich ein wenig Ruhe“, seufzt Mutter. Sie blickt sich in der Küche um. Vaters Zeitung liegt achtlos auf dem Frühstückstisch, Rosa hat natürlich ein Schulbuch liegengelassen und überall liegt Klein-Willys Spielzeug verstreut herum. Mutter räumt den Tisch ab, legt Rosas Schulbuch in ihr Zimmer und sammelt Willys Spielzeug ein. Sie fegt die Küche aus und sieht bei einem Blick aus dem Fenster die ersten Frauen schon auf dem Weg zu ihren Erledigungen. Einkaufen muss sie heute auch noch! Welch ein Glück das Vater Klein-Willy heute zum Schweinegarten gebracht hat. So braucht sie nicht so früh aus dem Haus zu gehen. Mutter setzt sich an den Tisch und gießt sich eine Tasse Kaffee ein. 

Sie liebt ihre Familie über alles, manchmal allerdings möchte sie gerne etwas anderes machen anstatt ewig hinter ihnen her zuräumen, zu kochen, zu putzen und sie zu bedienen. Sie träumt von einem großen Park mit exotischen Pflanzen. Es ist sehr heiß. Sie liegt bequem in einem Liegestuhl am Swimmingpool. Ein Diener in schwarzer Weste fragt nach ihren Wünschen. Er serviert ihr kühle Getränke auf einem Silbertablett, die sie lässig, aber doch elegant mit einem Strohhalm trinkt. Ab uns zu steht sie auf und taucht ihre rot- lackierten Zehen ins temperierte Wasser des Swimmingpools. Sorglos genießt sie es, sich von der Sonne bescheinen zu lassen. 

Sie braucht sich nicht um den Haushalt zu kümmern, sie hat ja eine Köchin und eine Putzfrau. Die herrliche Ruhe wird von einer sanften Melodie unterstrichen. Drei Musiker spielen eigens für Mutter Schwein. Sie stehen auf einem kleinen Podest im Hintergrund, eine Palme spendet ihnen ein wenig Schatten. Die Träumerin lauscht verzückt den Melodien während ein leichter Wind durch die Blätter streicht und für Kühlung sorgt. Zufrieden schließt sie die Augen. Sie hört von weitem den Diener auf sich zukommen. Sobald er sie erreicht hat, verbeugt er sich kurz und sagt: „Gnädige Frau, es ist serviert, der gnädige Herr ist auch schon da.“

Bei diesen Worten erwacht Mutter Schwein aus ihren Tagträumen. Sie blickt auf die große Küchenuhr: „Mein Gott, schon so spät! Nun muss ich mich beeilen!“ Ein bisschen traurig hängt sie ihrem Traum nach. Es war zwar ein schöner Traum, trotzdem ist sie mit ihrem jetzigen Leben nicht unzufrieden. Vielleicht würde sie sich langweilen wenn sie den ganzen Tag nichts zu tun hätte. Außerdem sorgt sie doch lieber selbst für die Familie. Falls sie eine Köchin hätte, wer weiß was es zu essen gäbe. Sie verlässt sich lieber auf ihre eigenen Kochkünste, denn bis jetzt hat es ihrer Familie noch immer geschmeckt. Mutter Schwein lässt das Spülbecken voll laufen während sie die Melodie ihres Lieblingsliedes summt, welches die drei Schweine im Traum für sie gespielt haben. Bei dieser Melodie hatte sie vor langer Zeit Vater Schwein kennen gelernt. 

„Ob er heute viel Arbeit hat?“, denkt Mutter Schwein. Er hat! Der große Schreibtisch in Vaters Büro ist voll mit Papieren, die er noch alle bearbeiten muss. Die Tür geht auf und seine Sekretärin, Fräulein Grunz, kommt mit einem neuen Stapel Akten herein. „Die müssen heute fertig werden hat der Chef gesagt!“. Fräulein Grunz legt die Papiere zu den anderen auf den Schreibtisch. „Ist ihnen nicht gut?“ fragt sie mit ihrer grunzenden Stimme, weil Vater Schwein sehr abwesend aussieht. Da  sie keine Antwort bekommt geht sie wieder ins Vorzimmer. Heute Morgen muss Vater mit der falschen Pfote aufgestanden sein, denn er hat keine große Lust zu arbeiten. Sonst macht es ihm immer Spaß, denn er liebt seine Arbeit. Er starrt den Stapel Akten an, die er alle bearbeiten soll ‚ jeden Tag dasselbe. Er möchte einmal etwas anderes erleben.

Am liebsten wäre er jetzt am Strand von Hawaii. So verfällt auch er in seinen Tagtraum und sieht den weißen Sand und das blaue Meer vor sich. Palmen müssten natürlich da sein und was gar nicht fehlen darf, sind die rassigen Schönheiten mit den bunten Blumenkränzen. Sie tanzen im lauen Wind der das Meer kräuselt. Ein Kongaspieler sorgt für den Rhythmus. Vater Schwein liegt im Sand und lässt sich von der Sonne verbrennen. Er hat eine Flasche Sonnenöl dabei, damit es nicht ganz so schlimm wird, auch trägt er eine Mütze, damit er bei diesen Temperaturen keinen Sonnenstich bekommt. Eine Sonnenbrille schützt seine Augen vor dem grellen Sonnenlicht. Ab und zu blickt er zu der kleinen Insel hinüber, welche von türkisfarbenen Wellen umspült wird. Der Anblick wirkt beruhigend, aber dort wäre es ihm zu einsam.

Manchmal, wenn es ihm unter dem strahlend blauen Himmel zu heiß wird, geht er an den Tänzerinnen vorbei ins Wasser. Eine Welle nach der anderen erreicht den Strand. Es scheint, als würden sie nie müde nach dem Land zu greifen. Vater Schwein sitzt im Wasser und die Wellen brechen sich klatschend an seinem Bauch und seinen Beinen. Die großen Wellen sind so kraftvoll, dass Vater Schwein jedes Mal auf den Rücken zu fallen droht. Als er aus dem Meer steigt, kommt eine der Tänzerinnen auf ihn zu und überreicht ihm einen frischen Blumenkranz. Sie küsst ihn auf die Schnauze und sieht ihn mit ihren glutvollen Augen vielversprechend an. Doch da ist plötzlich ein Geräusch, das nicht in dieses Paradies passt. 

Vater Schwein schreckt aus seinen Träumen auf, das Bild hat ich verändert. Seine Sekretärin, Fräulein Grunz, steht ein wenig beklommen im Raum. Der Chef ist plötzlich mitten im Büro, dreht seine dicke Zigarre zwischen den Pfoten und blickt erwartungsvoll auf Herrn Schwein, welcher entsetzt aufspringt. Dieser ist so verwirrt, das er einen hochroten Kopf bekommt und nicht weiß was er sagen soll. Fräulein Grunz läuft geschäftig hin und her, die Situation ist ihr sehr peinlich. Dass sie das auch miterleben muss. Gott sei Dank klingelt das Telefon. Sie eilt hin und reißt den Hörer an ihr Ohr, so braucht sie nicht mit anzuhören, wie der Chef Herrn Schwein anbrüllt und ihm erklärt, was er so unter arbeiten versteht.

Währenddessen sitzt Rosa in der Schule und hat Mathematikunterricht. Der Vormittag will heute gar nicht vergehen. Zwei Klassenkameradinnen in der letzten Reihe schwätzen mal wieder. Rosa wüsste zu gerne, was die beiden zu flüstern haben. Der Lehrer hat sie schon einige Male ermahnt, aber sobald er sich wieder umdreht, fängt das Getuschel erneut an. Anders ist Rosas Nachbarin zur linken. Sie ist die Klassenbeste. Rosa fragt sich, wie sie das macht. Es passiert selten das sie dem Lehrer eine Antwort schuldig bleibt. Rosa träumt vor sich hin, sie ist überzeugt, dass sie Mathematik in ihrem Leben sowieso nicht benötigt, sie will schließlich Disco-Queen werden.

Sie träumt im stickigen Klassenzimmer von einer riesigen Diskothek mit heißer Musik und bunten Spotlights, die im Rhythmus der Musik die Farbe wechseln. Bald leuchtet die Tanzfläche die über eine Treppe erreichbar ist, in Grün auf, bald werden die Tänzer von einem tiefen Rot fast verschluckt, um Sekunden später als grell-gelbe pulsierende Masse wieder aufzutauchen. Heute ist der Tag auf den Rosa gewartet hat. Die Besucher werden gebeten Stimmzettel abzugeben, es soll eine Disco-Queen gewählt werden. Auf der Tanzfläche finden wahrhaft akrobatische Darbietungen statt. Alle geben sich die beste Mühe. Es herrscht ein großes Gedränge. Die Besucher haben ihre ausgefüllten Stimmzettel schon an der Theke abgegeben. 

Dort werden sie schnell ausgewertet. Als das Ergebnis feststeht, greift der DJ  zum Mikrofon und gibt es bekannt. Pl–tzlich bricht die Masse auseinander. Nur noch ein Schwein gleitet über die Tanzfläche. Das ist natürlich Rosa bei ihrem einzigartigen Solotanz. Schwungvoll wirft sie ihren Kopf in alle Richtungen, dass die Ohren nur so fliegen. Sie dreht sich gekonnt im Kreis, dann schleudert sie ihre Arme durch die Luft, wobei ihr Hinterteil hin und her zuckt, und das Schwänzchen nur so zittert. Die Zuschauer applaudieren bei jedem neuen Schritt. Rosa tanzt schneller und schneller, bis sich ein Gelächter unter den Beifall mischt. Das Lachen wird immer lauter, der Applaus verstummt allmählich.
Rosa öffnet langsam die Augen. Sie hat die Arme noch in der Luft, als sie 

plötzlich in die Augen ihres Mathematiklehrers blickt. Das Gelächter ihrer Klassenkameraden dröhnt in ihren Ohren! Rosa senkt die Arme und läuft vor Verlegenheit rot an. „Da Rosa dem Unterricht so eifrig gefolgt ist, wird es ihr wohl keine Schwierigkeiten bereiten, für Morgen die Aufgaben auf Seite 24 zusätzlich zu machen,“ sagt Herr Zahl, bevor er mit dem Unterricht fortfährt. Auch die Klassenbeste hat gelacht, sie freut sich das Rosa einen Verweis erhalten hat, die Zusatzaufgaben kann sie bestimmt nicht lösen. Doch Rosa bemüht sich jetzt dem Lehrer zuzuhören, sie will sich nicht von der Klassenbesten bei den Aufgaben helfen lassen, da sie ja auch so laut gelacht hat. Sie sieht auf die Tafel, wo Herr Zahl gerade eine neue Aufgabe anschreibt und passt bei der Erklärung gut auf.

Klein-Willy hat andere Sorgen. Kaum ist er aus dem Schweinchen- garten zurück, wartet er hungrig auf das Mittagessen. Nachdem Rosa den Tisch gedeckt und Mutter das Essen aufgetragen hat, isst Willy so schnell, dass Mutter Schwein ihren Sohn fragt, „Was hast du denn vor? Du nimmst dir nicht einmal Zeit zu kauen. Das ist sehr ungesund. Iss langsam, sonst klagst du heute Abend wieder über Bauchweh.“ Willy hat die backen so voll, dass er keine Auskunft über seine Eile geben kann. Rosa ist auch nicht sehr gesprächig, sie denkt an die vielen Hausaufgaben, die sie nun zu machen hat. Plötzlich geht die Klingel. Mutter Schwein öffnet die Türe, es ist Willys bester Freund. Sie haben sich verabredet und wollen in der Spielecke im Garten Straßen für ihre Autos bauen. Ehe Mutter etwas sagen kann, ist Willy, immer noch kauend, wie ein Pfeil an ihr vorbei in den Garten geschossen. Abends hat Mutter Schwein Schwierigkeiten Willy ins Bett zu bekommen. 

Aber es ist Schlafenszeit für kleine Schweine, Willy sträubt sich dagegen, immer fällt ihm noch etwas ein, um das Schlafengehen herauszuzögern. Doch nun steckt Mutter ihn resolut ins Bett. Vater und Rosa kommen an sein Bett und geben ihm einen Gutenachtkuss. Mutter ließt ihm noch eine Geschichte vor, doch schon nach zwei Seiten sind Willys Augen zugefallen. Er träumt von einem Schwein, das fliegen kann und außerdem sehr stark ist. Plötzlich ist Klein-Willy selbst das Superschwein, das durch die Lüfte fliegt. Er segelt über Felder, Seen und Dörfer. Im Dorf fliegt er auf die Kirchturmspitze zu und begrüßt den stolzen Wetterhahn. Dieser aber zeigt ihm die kalte Schulter. Na ja, der Wind hat gerade gedreht. Willy lässt sich von einem Aufwind zu einer großen weichen Wolke bringen. Dort macht er es sich bequem und beobachtet die Welt von oben. Was es da alles zu sehen gibt! 

Doch was ist das? In einem See sieht er ein kleines Schwein verzweifelt um sein Leben strampeln. Wenn nicht direkt etwas geschieht, wird es ertrinken. Willy - Superschwein stößt wie ein Adler aus den Wolken herab. Mit seinen Pfoten ergreift er das kleine Schwein, welches ihn, ”ngstlich nach Luft schnappend, bewundernd ansieht. Willy hat den Kleinen gut im Griff. Er steigt mit ihm noch etwas h–her, damit der Winzling ein wenig abtropfen kann, denn so nass, meint Willy, kann man ihn nicht den Eltern übergeben. Der kleine genießt nach dem vorhergegangenen Schrecken, die Aussicht von oben. Er fühlt sich sicher und ist stolz, dass das Superschwein sein Retter ist. Da kommt auch schon das Boot mit den aufgeregten Schweineeltern. Superschwein setzt den Kleinen, der fast trocken ist, zu seinen Eltern ins Boot. Ehe sie sich bedanken können, ist Superschwein Willy in den Wolken verschwunden, um neue Taten zu vollbringen.

 
 

Am nächsten Morgen weiß Willy zum Glück nichts mehr von seinem Traum, sonst würde er vielleicht aus dem Fenster springen, um in den Schweinchengarten zu fliegen, in der Meinung er wäre das Superschwein. Das Frühstück nimmt Familie Schwein wieder gemeinsam zu sich, bis auf Mutter Schwein, welche die Familie bedient und Pausenbrote schmiert. Rosa hofft die Aufgaben richtig gelöst zu haben, sie hat den ganzen Nachmittag dafür gebraucht. Klein-Willy zappelt ungeduldig auf dem Stuhl und Vater Schwein ließt die Zeitung wie jeden Morgen.

Ein neuer Tag hat begonnen.

 

 

 
 

"ROCK SHOP"
Mittwochs ist in Santa Monica immer ein Biomarkt. Dorthin bin ich öfters mit meiner Freundin Jessica zum einkaufen gefahren. Manchmal sind wir danach noch ein wenig spazieren gegangen. An diesem wunderschönen Tag gingen wir zum Santa Monica Pier, dort ist ein ständiger, farbenprächtiger Jahrmarkt. Es gibt Karusselle, Imbissbuden, Spielhallen und dementsprechend viele Leute. Touristen mischen sich mit Einheimischen, einige davon tragen ihre Schlangen um den Hals spazieren. Hier und da wird getanzt, jede Gruppe mit dem eigenen Gettoblaster. Es herrscht ein riesiges Gedränge, durch die Musik kann man Fetzen verschiedener Sprachen raushören. Plözlich gab es eine Lücke im Gewühl. Da war er, der „Rock Shop“ allein, ruhig und kein Mensch zu sehen. Das war ein magischer Augenblick. Ich war total fasziniert.
Um diese Ruhe darzustellen fügte ich eine liegende Person hinzu. Erst diese Figur gibt dem Bild die Aussage, „menschenleer“ zu sein.